Zehnthof-Kapelle erstrahlt im neuen Glanz

Zehnthof-Kapelle erstrahlt im neuen Glanz

Nordheim  03. Oktober 2008

Besuchen Sie die umfangreich renovierte ZEHNTHOF-KAPELLE - ein neu zu entdeckendes kunsthistorisches Kleinod des Rokoko mit sehenswerten Fresken von Andreas Dahlweiner aus dem Jahr 1755. DIVINO-Nordheim unterstützt die Revitalisierung der historischen Zehnthof-Kapelle in Nordheim mit je 1,50.- EUR vom Verkauf zweier speziell abgefüllten Weinen pro Flasche. Ein kunsthistorischer Glücksfall Zehnthofkapelle erstrahlt im neuen Glanz - Raum soll mit Leben erfüllt werden.

 

Nordheim. Als eine "Meisterleistung" bezeichnete Nordheims Bürgermeister Guido Braun die Sanierung der spätbarocken Kapelle im ehemaligen Münsterschwarzacher Zehnthof. In Beisein von Minister Eberhard Sinner lobte Braun am Dienstagabend bei der offiziellen Präsentation des Prunksaales all diejenigen, die ihre Ideen und Arbeit eingebracht haben. Des Bürgermeisters besonderer Dank galt den Verantwortlichen der Divino, die trotz hoher Investitionen in anderen Bereichen nicht übersehen hätten, dass im Zehnthof ein Kulturgut schlummere, das unbedingt erhalten werden müsse. Minister Sinner sprach von einem "kunsthistorischen Glücksfall" und war begeistert vom Gemeinschaftswerk. Er dankte allen, die sich dafür einsetzten, dieses Kulturgut zu erhalten und gleichzeitig zum neuen Leben zu erwecken. Die Feier solle als Inspiration dazu dienen.

Voll des Lobes über das neu geschaffene Kleinod, das nicht nur eine Bereicherung für den Winzerort sondern für den gesamten Landkreis darstelle, war Landrätin Tamara Bischof. Auch Bezirkspräsident Erwin Dotzel freute sich über das Engagement der Winzergenossenschaft Divino. Pater Franziskus Büll von der Benediktinerabtei Münsterschwarzach, der als Motor der Restaurierung gilt, erinnerte in kurzen Worten an die Arbeiten. Zudem gab er einen Einblick über die Historie der Zehnthof-Kapelle, die 1755 von damaligen Münsterschwarzacher Abt Christoph Baibus erbaut wurde.

Der Geschäftsführende Vorstand der gastgebende Divino, Oskar Georg Noppenberger, würdigte vor allem den Einsatz von Pater Franziskus, der den Stein für eine Renovierung der Kapelle mit Kosten von zirka 200.000 Euro "ins Rollen brachte" und freute sich über die finanziellen Zuwendungen. Man sei in Abstimmung mit allen Firmen zu einem vorzeigbaren Ergebnis gekommen. Primäres Ziel sei es, diesen Raum mit Leben zu erfüllen, so Noppenberger. Man habe zwei Weine (Bocksbeutel mit dem Motiv des dreifaltigen Gottes) ausgesucht, deren Förderbetrag von 1,50 Euro je Flasche in die Revitalisierung der Zehnthof-Kapelle fließt. Zum Abschluss der Feierlichkeiten sprach Ortsgeistlicher Pater Philippus Eichenmüller die Segensgebete.

Eine unwiderstehliche Verbindung - Auch Staatsminister Eberhard Sinner zeigt sich von der restaurierten Zehnthof-Kapelle Nordheim beeindruckt. "Diese Verbindung ist schlicht unwiderstehlich." Mit seinen prägnanten Worten sprach Ehrengast Eberhard Sinner, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, dem hochkarätigen besetzten Auditorium in der restaurierten Zehnthof-Kapelle aus der Seele. "Ein Bocksbeutel, auf dem ein Abbild der historischen Fresken, die die Dreifaltigkeit zeigen, abgebildet und in dem ein feiner 2006er Nordheimer Vögelein enthalten ist. Eine bessere Verbindung ist kaum vorstellbar." Der Staatsminister, der extra aus München angereist war und sich schon als "Stammgast in Unterfranken" bezeichnete, schien sehr beeindruckt von dem Ambiente, das in der restaurierten Zehnthof-Kapelle herrscht. Dabei befand er sich in bester Gesellschaft. Schließlich konnte "Divino"-Geschäftsführer Oskar Georg Noppenberger mit Bezirkspräsident Erwin Dotzel, Landtagsabgeordnetem Dr. Otto Hühnerkopf und Landrätin Tamara Bischof noch weitere Ehrengäste begrüßen, die sich um die Wiederherstellung des ehemals verschütteten Raumes verdient gemacht hatten.

In seinem Grußwort sprach Noppenberger davon, dass es bei der Baumaßnahme vor allem um die Revitalisierung ging. "Der Kapelle soll wieder Leben eingehaucht werden", sagte er, und wies auf verschiedene Überlegungen hin, wie der Raum in Zukunft genutzt werden könnte. Vor der Übergabe lag aber ein langer und - im wahrsten Sinne des Wortes - steiniger Weg. Schließlich steckte vor allem Pater Franziskus Dr. Büll sehr viel Arbeit in das Projekt Zehnthof-Kapelle. "Ich war kaum Bürgermeister, da stand der Pater schon bei mir im Rathaus", erinnerte sich zum Beispiel auch Nordheims Oberhaupt Guido Braun. Durch das große Engagement des Paters am Kloster Münsterschwarzach kam der Stein schließlich ins Rollen. Auch Landrätin Tamara Bischof legte sich für die Restaurierung der Zehnthof-Kapelle richtig ins Zeug - und hatte damit Erfolg. "Hier wird Geschichte wiederbelebt", erklärte sie den aufmerksamen Gästen. "Denn wenn man seine Vergangenheit nicht kennt, hat man auch keine Zukunft." Das einmalige Kleinod in Nordheim habe ihr besonders am Herzen gelegen, weil es - als Kapelle im ersten Stock - in dieser Art einmalig im Landkreis ist. Das würdigte auch der Bezirk Unterfranken.

Vier Denkmäler aus dem Landkreis Kitzingen wurden für den Förderpreis des Bezirkstages vorgeschlagen und den Zuschlag erhielt am Ende die Kapelle. "Wie haben in Unterfranken keine Großstädte. Um unsere jungen Leute im Ländlichen zu halten, müssen wir attraktiv sein und mit den Pfunden, die wir im Bereich Tourismus vorzuweisen haben, locken", erklärte Bezirkspräsident Erwin Dotzel. Dafür gebe es die Unterfränkische Kulturstiftung, die zwischen acht und zehn Millionen Euro jährlich ausschüttet. Dass diese Fördergelder gut angelegt sind, betonte auch Geschäftsführer Noppenberger: "Kultur rechnet sich nicht - aber sie zahlt sich aus", zitierte er einen Satz, den er von der Verleihung des Förderpreises mitgebracht hatte. Dessen war sich Staatsminister Sinner sicher. "In Bayern gibt es sehr viele herausragende Baudenkmäler, von denen eine ganz besondere Faszination ausgeht." Er verwies auf den Artikel drei der bayerischen Verfassung, die den Freistaat als "Kulturstaats" bezeichnet. Allerdings müssten die Bürger ihn auch als solchen annehmen und verstehen. "Kultur wird erst durch den Menschen zum Leben erweckt, und nicht durch Geld." Die Schlüsselübergabe nahm nach einigen kurzen Worten Architekt Dr. Matthias Wieder vor. Zum Abschluss der Feierstunde ließ es sich Pater Phillippus nicht nehmen, die Kapelle zu segnen.

Daten & Fakten

Die Nordheimer Zehnthofkapelle wurde 1755 als "Abtkapelle" von Abt Christoph Balbus eingerichtet. Stuckateur der Nordheimer Zehnthofkapelle war Johann Michael II. Feichtmayr, der als einer der geistlichen Rokokoornamentiker Deutschlands galt. Gefördert wurde die Sanierung durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in München, durch die Benediktinerabtei Münsterschwarzach, durch den Bezirk Unterfranken, durch das Bischöfliche Ordinariat Würzburg, durch den Bezirk Unterfranken, durch das Bischöfliche Ordinariat Würzburg, durch die Gemeinde Nordheim, durch den Landkreis Kitzingen, durch die Reiffeisenbank Fränkisches Weinland Nordheim, durch die Schulze-Delitzsch-Stiftung München sowie durch die Zehnthof-Weinstuben Nordheim.

Die Fresken
Die gewölbte Decke überzieht eine rechteckige Grundfläche von 12 mal 4,5 Metern. Um das Hauptgemälde an der Decke gruppieren sich vier kleinere, welche die Verbindung zu den zwei Längsseiten übernehmen. An der Stirnseite der Kapelle von Osten, wo früher der Altar stand, ist unter dem Symbol der Friedenstaube der Princeps Pacis, der Friedens-Fürst, dargestellt. Über der Rückwand schwebt ein Engel mit einem Früchtekorb durch die Öffnung der gemalten Architektur in den Raum. An der Nordwand rückwärts ist der Sturz der Manaden zu sehen. Das Hauptgemälde zeigt den dreifaltigen Gott: Der Gottvater ist auf einer Wolkenbank ausgestreckt. Das Gesicht strahlt Frieden bringende Würde aus. Rechts vom Gottvater wird auf die zweite göttliche Person durch die ersten drei griechischen Buchstaben des Namens Jesus hingewiesen. Die Taube darüber symbolisiert die dritte göttliche Personen, den Heiligen Geist. Der im Zentrum des Himmels schwebende Erzengel hält in der Rechten eine Lilie, die Zeichen des göttlichen Weltgerichtes ist. Der Zyklus der Jahreszeiten, die das Leben eines Winzers bestimmen, beginnt mit dem Frühling, in Person als Knabe, der einen noch leeren Krug hält. Taglilien weisen auf den paradiesischen Anfang der Schöpfung hin. Der Sommer wird durch zwei Engel dargestellt, die Donner und Blitze gegen die wiedergöttlichen und missbrauchenden Bacchanten schleudern.
Mit einem Kranz aus Rebenlaub ums Haupt sitzt zwischen Ölkrug und Erntekorb der Herbst. Die Worte "Fons olei" weisen auf den Text des Buchen Joel hin (2,19): "Ich will Euch Wein und Öl und Korn in Fülle geben." Der zuversichtliche Blick des Knaben auf einen dürren Strauch in der Winterlandschaft zeit, dass es in Zukunft nicht so öde bleiben wird. Und so schließt sich der Kreis des Jahres. In den ruhigen Lauf bricht der Lärm der Mänaden, des Weingottes Dionysos rasande Begleiterinnen. Doch durch dem Princeps Pacis werden sie in ihrem Vorhaben, die Natur zu missbrauchen, gehindert.

Die Geschichte
Im Rahmen der Feierstunden gab Pater Franziskus Dr. Büll einen kurzen Abriss der Geschichte der Zenthof-Kapelle zum Besten. So wurde schon im Jahr 918 die Schenkung zweier Weingärten zu Nordheim an das Kloster Münsterschwarzach bestätigt. 1585 errichtete dann Johannes IV. Burckhardt den erste Teil des Zehnthofes, in den folgenden Jahren wird der Zehnthof immer weiter ausgebaut. Ab 1755 lässt Abt Christoph Bailias die Kapelle neue einwolben und durch Johann Michael II. Feichtmayr, spross einer oberbayerischen Künstlerfamilie und nach Ulrich Thieme einer der bedeutendsten und geistreichsten Rokoko-Ornamentiker Deutschlands, stuckieren. Die Kunstvollen Fresken stammen von Andreas Dahlweiner, der als 21-jähriger in der Zehntkapelle, 1764 haben alle vier Keller des Zehnthofes schließlich eine Fläche von 730 Quadratmetern und ein Speichervermögen von 6.000 Hektoliter. Im Jahre 1964 erwirbt schließlich die Winzergenossenschaft Nordheim den Zehnthof und wird neben Vater Franziskus zum wichtigsten Antreiber der Restauration des Denkmales.

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