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Ein Leben für die Traube

Ein Leben für die Traube

Nordheim  10. September 2014

Sieghard Vaja sucht nach dem perfekten Wein. Nun will der Südtiroler Nordheim zu mehr internationalem Flair verhelfen.

Nordheim
 | Sechs Stunden lang sprechen kann ganz schön anstrengend sein. "Am Ende hatte ich Stimmversagen", erinnert sich Sieghard Vaja.

 

Der gesellige Lockenkopf kommt ursprünglich aus Südtirol, seine Leidenschaft will er jetzt aber in Franken ausleben. Denn Vaja hält sich überwiegend unter der Erde auf, in den Gewölben der Weingüter. Bei einem überplanmäßig langen Vorstellungsgespräch bei DIVINO Nordheim Thüngersheim, setzte sich der 35-Jährige gegen seine Mitbewerber durch und gibt nun als Kellermeister dem fränkischen Genussgetränk internationalen Flair.

"Wir haben uns einfach verquatscht", erklärt Vaja die Länge des ersten Treffens mit den Führungskräften der Winzergenossenschaft. Kein Wunder, der Mann hat einiges zu erzählen. Sein Leben hat der zweifache Vater ganz und gar der Weiterverarbeitung der Trauben gewidmet und in mehreren Ländern bei der Weinproduktion mitgeholfen. "Es ist meine Leidenschaft", sagt er. Rund 15 Jahrgänge hat er bereits miterlebt.

Talent in die Wiege gelegt

Das Talent wurde dem Südtiroler in die Wiege gelegt. In Meran wuchs Vaja in einer Winzerfamilie auf, studierte Weinbau und Önologie in Italien und Deutschland und zog dann von Land zu Land. "Ich wollte ein Freidenker sein", sagt er über seine Arbeit als selbstständiger Weinbauberater. Auf die Toskana folgte Süditalien, dann Großbritannien und Neuseeland. Zuletzt lebte er mit seiner italienischen Frau und den beiden Kindern in Österreich.

"Franken ist liebenswert", sagt Vaja über seine Entscheidung, sich hier als Kellermeister zu bewerben. Nach dem ganzen Hin und Her freue er sich jetzt besonders auf die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum die Verbesserung einer Marke mitzugestalten. "Ich will die Tradition nicht verwerfen, sondern weiterentwickeln", betont er. In seiner Vision muss Franken die Landkarte als Weinregion noch mehr prägen, die Winzergenossenschaft soll international erfolgreicher werden.

Auf seinen Reisen zu verschiedenen Weinregionen habe er eines gelernt: "Die größten Unterschiede gibt es nicht in der Natur oder der Technik, sondern bei den Menschen." So seien die Neuseeländer beispielsweise sehr innovativ und offen, was das Ausprobieren neuer Techniken angehe. Die Franken seien dagegen - ebenso wie seine Landsleute - etwas zurückhaltender. "Jeder Wein hat seine Geschichte", philosophiert Vaja.

Für ihn ist der Rebensaft weit mehr als ein reines Genussmittel. Um die perfekte Mischung zu finden, gebe es - anders als beim Bierbrauen - keine Rezeptur. "Es gibt nur einen Willen, den Wein in eine bestimmte Richtung zu begleiten." Genug Flüssigkeit zum Ausprobieren lagert im Keller der DIVINO in Nordheim allemal. Zwischen zwei und vier Millionen Liter reifen hier in verschiedenen großen Fässern aus Metall und Holz.

Umzug nach Nordheim

Um die Franken und ihre Mentalität besser zu verstehen, ist der Südtiroler nach Nordheim gezogen. Seine Familie besucht ihn hier. Sobald seine italienische Frau ihre Arbeitsstelle verlassen kann, wolle sie mit den Kindern nachkommen. Denn für den Südtiroler ist eines ganz klar: "Wenn man mitwirken will, muss man einer vom Dorf sein." Da sein Ankunftstag glücklicherweise auf das örtliche Weinfest fiel, habe in seinem Fall das Einleben leichter geklappt als gedacht.

Auch bei der täglichen Arbeit sei er in engem Kontakt mit den Nordheimern. "Ich habe das große Glück, dass ich noch eingelernt werde", sagt Vaja. Bis der bisherige Kellermeister Ernst Braun in gut einem Jahr in den Ruhestand geht, kann Vaja an seiner Seite die ersten vorsichtigen Schritte machen. Danach will er als Zugpferd für den internationalen Flair unter Nordheims Boden sorgen.

Artikel und Foto: Meike Rost

       
 

 
 

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