DIVINO - Das Magazin | N° 2/2022 Herbst - Winter

Er ist ein grundsympathischer Typ, stellt keine großen Ansprüche an sein Terroir, ist ertragssicher und liefert süffige Weine, meistens für das Basissegment. Früher war der „Müller“, der eigentlich Müller-Thurgau heißt, die meistangebaute Rebsorte in Deutschland, bevor er in den neunziger Jahren diesbezüglich vom Riesling abgelöst wurde. Noch heute sind zwischen 11 und 12 Prozent der gesamten Rebfläche in Deutschland, und das sind immerhin über 100.000 Hektar, mit der Müller-Thurgau-Rebe bestockt. Das deutet auf seine große Beliebtheit hin. In Franken wächst der Müller auf etwa 1.500 von insgesamt 6.000 Hektar. WER HAT‘S ERFUNDEN? Ok, es war ein Schweizer, wie so oft. Der Müller verdankt seinen Namen und seine gesamte Existenz dem Herrn Professor Hermann Müller aus dem Schweizer Kanton Thurgau. Hermann Müller lebte von 1850 bis 1927, und er züchtete in der Forschungsanstalt Geisenheim im Rheingau diese Rebsorte. Jüngere Genuntersuchungen deuten darauf hin, dass ihm diese Neuzüchtung durch eine Kreuzung von Riesling x Madeleine royale gelang. In der schweizerischen Forschungsanstalt Wädenswil hat man die Sorte weiterentwickelt und 1913 nach ihrem Züchter benannt. Oft wird der Müller auch Rivaner genannt: Dieses Synonym ist eine Kurzfassung der Worte Riesling und Silvaner, denn lange Zeit sah man diese beiden Sorten als die Eltern des Müller-Thurgau an. UND WIE IST ER SO? Der Müller-Thurgau ist ein süffiger Wein. Geschmacklich ist er leicht zugänglich und auch für (W)Einsteiger gut geeignet. In der Farbe schimmert er blassgelb bis hellgelb, im Aroma finden sich blumige, feinfruchtige Aromen – manchmal eine leichte Muskatnote. Die Säure fällt eher mild aus – bei Weinen nördlicher Herkunft kann sie mitunter auch etwas betonter sein. Ausgebaut wird der Müller-Thurgau meist in Edelstahltanks, mit denen die WinzerInnen die Frische und den feinen Sortenduft der Rebsorte erhalten können. Meist handelt es sich um trockene oder restsüße Qualitätsweine. Die in den achtziger Jahren eingeführte Beschränkung der zulässigen Erträge je Hektar Weinberg hat sich gerade für den Müller-Thurgau, der zu hohen Erträgen neigt, sehr positiv ausgewirkt. Reduzieren die WinzerInnen ihre Erntemenge, zeigt die Sorte ihr wahres Qualitätspotenzial. Die beste Trinkreife hat der Müller gleich, wenn man ihn kauft: Er ist – von Ausnahmen abgesehen – kein lagerfähiger Wein und schmeckt in den ersten Jahren nach der Ernte am besten. WIE SIEHT ER DENN AUS? Das Aussehen eines Weines wird durch die sogenannten ampelografischen Merkmale beschrieben. Das Blatt vom Müller ist mittelgroß, blasig, kreisförmig und fünflappig. Seine Trauben sind mittelgroß bis groß, mitteldicht, zylindrisch mit ovalen, grüngelb gefärbten Beeren. Das Fruchtfleisch besitzt einen leichten Muskatgeschmack. Die Rebsorte reift eher früh. Halten Sie doch mal Ausschau in unseren Weinbergen, ob Sie einen mit Müller bestockten Rebhang entdecken! Natürlich sind auch wir bei DIVINO große Müller-Fans und möchten Ihnen hier gerne zwei Weine aus dieser Rebsorte vorstellen. Lust, zu probieren? FRANCONIA Müller Thurgau 2021 · QbA Franken · trocken Saftig-frischer Weingenuss mit kräftig fruchtigem Duft von süßen Zitrusfrüchten und knackigem Kernobst, begleitet von den typisch würzigen Nuancen der Rebsorte Müller-Thurgau. Am Gaumen unglaublich trinkig und mit animierendem Charakter, klasse mineralischem Grip und einer frischen, die saftige Art des Weins unterstreichenden Säure. Ein hinreißender Schöppelwein, der aber auch zu einer zünftigen Brotzeit oder zu kräftig gewürzten Hühnergerichten eine tolle Figur macht. Serviertemperatur: 8-10 °C Art.-Nr.: 3221 Alk.: 11,42 vol.-% Restzucker: 5,1 g/l Säure in g/l 6,2 g/l FRANCONIA Müller Thurgau 2020 · Kabinett · feinherb In der Nase ein echter ‚Müller’ mit Aromen von Birnen, Äpfeln, Ananas und Pfirsich, begleitet von einer kräftigen Muskatnote. Am Gaumen spritzig, saftig und mit klasse mineralischem Zug, wundervollem Spiel von feiner Süße und moderater Säure sowie einem fruchtigen Nachhall. Perfekt zu blaugesottenem Süßwasserfisch, blauen Zipfeln oder Schweinelende in pikantem Pfefferrahm. Serviertemperatur: 8-10 °C Art.-Nr.: 3223 Alk.: 11,23 vol.-% Restzucker: 13,1 g/l Säure in g/l 6,6 g/l DIVINO MAGAZIN·Nº 2/2022 27

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