Sie heissen Cabernet Cortis, Pinotin, Satin Noir oder Cabernet Blanc, Mus- caris, Solaris oder Souvignier Gris, und man nennt sie auch die Weine der Zukunft: Pilzwiderstandsfähige Rebsorten, sogenannte PIWIs, gewinnen im Weinbau zunehmend an Bedeutung. Sie werden seit dem späten 19. Jahrhundert gezüchtet, als in Frankreich erste Kreuzungen amerikanischer Wildreben mit europäischen Sorten vorgenommen wurden, um Pilz- und Reblausresistenzen zu kombinieren. In Deutschland wird die „moderne“ Generation der PIWIs etwa seit den 1970er Jahren gezüchtet – mit dem Ziel, durch diese Rebsorten eine hohe natürliche Widerstandsfähigkeit gegen die häufigsten Pilzkrankheiten der Rebe, insbesondere Echten und Falschen Mehltau, zu erreichen. Diese Krankheiten erfordern im klassischen Weinbau je nach Witterungsbedingungen einen intensiven Pflanzenschutz, der sich mit dem Anbau von PIWIs auf ein Minimum reduzieren lässt. Neben diesen Resistenz-Eigenschaften sollen die PIWI-Reben natürlich auch gut im Ertrag stehen, sensorisch überzeugen und inzwischen auch Trockenstress und Hitze gut wegstecken können. Sie werden deshalb oft als zukunftsweisende oder nachhaltige Alternative zu den klassischen Rebsorten gesehen, weil sie dem Klimawandel offenbar besser begegnen können. Sie ermöglichen die Herstellung qualitativ hochwertiger Weine bei gleichzeitig ökologisch verantwortungsvollem Anbau und tragen damit zur Weiterentwicklung des Weinbaus bei. Lange Zeit standen die neugezüchteten PIWIs im Schatten von Riesling, Spätburgunder & Co. Über Geschmack lässt sich ja nicht streiten, aber es darf an dieser Stelle gesagt werden, dass der Umgang mit den PIWIs im Keller auch erst gelernt werden musste. Inzwischen hat sich in der Winzerschaft viel getan, und die Weine überzeugen auch geschmacklich immer mehr. Die höhere Sensibilität für nachhaltig erzeugte Produkte und das Interesse an ressourcenschonenden Weinbaumethoden hat bei den Konsumentinnen und Konsumenten für mehr Interesse und Akzeptanz der PIWIs beigetragen. Inzwischen sind die neuen Rebsorten fester Bestandteil von vielen Weinbaubetrieben und erfreuen sich großer Beliebtheit. Wir stellen Ihnen hier eine beliebte PIWISorte vor, die vor allem den Liebhaberinnen und Liebhabern von Grauburgunder gefallen wird: den Souvignier Gris. Typischerweise erinnert der Souvignier Gris an einen reifen Grauburgunder und begeistert mit einer eleganten Aromenpalette. In der Nase entfalten sich verlockende Noten von reifen gelben Früchten, auch Banane – sowie einem nussigen Aroma. Am Gaumen zeigt er sich vollmundig und fruchtig mit einer angenehmen Frische, die die Aromen perfekt ergänzt. Eine dezente rauchige Würze und ein kräuteriger Unterton verleihen diesen Weinen eine faszinierende Tiefe und Komplexität. Sie „klingen“ wie Burgunder, sind aber keine Burgunder. In ihrer ausgewogenen Cremigkeit eignen sie sich ebenfalls als harmonische Speisenbegleiter. Gezüchtet wurde diese PIWI-Sorte 1983 am Staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg von Norbert Becker aus den Sorten Seyval Blanc und Zähringer. Es ist eine weiße Traube mit einer rosig-roten ins violett gehenden Beerenhaut. Bei DIVINO gibt es den Souvignier Gris noch nicht als sortenreinen Wein. Dafür sind die Anlagen unserer Winzerinnen und Winzer noch zu jung. Der Souvignier Gris ist aber die einzige PIWI-Sorte, die von DIVINO Betrieben angebaut wird. Also, Augen auf – und vielleicht werden Sie diesen „Zukunftswein“ in Kürze bei uns in den Regalen finden! Die Neue Generation Rebsorten: PIWIs erobern erobern den Weinberg AKTUELLE ZÜCHTUNGEN ZEIGEN, WIE PILZWIDERSTANDSFÄHIGE SORTEN PFLANZENSCHUTZ REDUZIEREN, ERTRÄGE STABILISIEREN UND NEUE WEINBAULICHE STRATEGIEN ERMÖGLICHEN KÖNNEN. Links: Volle Trauben des Souvignier Gris zu Reifebeginn; darunter: Rebblatt mit sortentypischen Merkmalen DIVINO MAGAZIN·Nº 1/2026 23
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