LIEBE ANTONIA, Sie haben das Amt der 67. Fränkischen Weinkönigin für ein Jahr bekleidet und es am 13. März 2026 an ihre Nachfolgerin übergeben. Erzählen Sie von sich! Ich bin in Nordheim am Main aufgewachsen und durch unseren eigenen Weinbau und die Rebschule tief mit der fränkischen Kultur verbunden. Ein Jahr lang durfte ich das Amt der 67. Fränkischen Weinkönigin mit großer Dankbarkeit, Respekt und Leidenschaft ausüben. Mir war es immer wichtig, den Men- schen von unserer einmaligen Kulturlandschaft und unserem Kulturgut, dem Frankenwein, zu erzählen. Wein vermittelt die Handwerkskunst der WinzerInnen und ist vor allem auch ein Teil unserer fränkischen Identität – nahbar, ehrlich und zeitgemäß. Wie haben Sie das Amt der Weinkönigin in Zeiten wie diesen erlebt? Es war ein wunderschönes Jahr voller spannender Begegnungen und Gesprächen. Ich habe Erinnerungen gesammelt, die ich nie vergessen werde. Jedoch war das Jahr für die Weinbranche herausfordernd und gerade deshalb sehr prägend für mich. Die aktuellen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, offen zuzuhören, den Dialog zu suchen und unterschiedliche Branchen zusammenzubringen. Ich habe das Amt als Verantwortung erlebt, aber auch als Chance, Mut zu machen und Zuversicht zu vermitteln. Aktuell steckt der Wein weltweit in einer Krise. Wie nehmen Sie das wahr? Dieser Entwicklung begegnet man auch im direkten Austausch mit den WinzerInnen. Die Gründe dafür sind vielfältig: der Krieg in der Ukraine und im Nahen Osten sowie der gesellschaftliche Wandel sorgen für ein verändertes Konsumverhalten, genauso wie die Empfehlungen der WHO zum Thema Alkoholkonsum, aber auch steigende Kosten spielen eine Rolle. Gleichzeitig erlebe ich jedoch viel Innovationskraft, Zusammenhalt und Leidenschaft von unseren WinzerInnen. Was bedeutet Wein für Sie persönlich? Wein bedeutet für mich Heimat, Familie, Freunde und Begegnung. Er verbindet Menschen, erzählt Geschichten und spiegelt die Landschaft, den Jahrgang und das Handwerk des Winzers wider – Wein ist Genuss und ein Stück gelebte Kultur. Gerald Wüst (mitte), mit Antonia Kraiß (rechts) und Kerstin Böhning FOTO: CW-FOTOART CHRISTOPH WEISS DIVINO MAGAZIN·Nº 1/2026 11
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