DIVINO - Das Magazin | N° 1/2026 Frühjahr/Sommer

Zeit nicht der Schwermut hingeben. Es gibt Herausforderungen, und wir sollten uns diesen stellen und sie bewältigen. Was ist nötig, um dem Wein aus der Krise zu helfen? Hierfür ist es notwendig, dass wir alle wieder etwas optimistischer in die Zukunft schauen, was zugegebener Weise bei den aktuellen Schlagzeilen nicht so einfach ist. Vieles wird gerade durch die Medien dramatisiert, um unsere Aufmerksamkeit zu erregen. Das drückt auf die Stimmung der Menschen, und die gedrückte Stimmung sowie negative Zukunftsaussichten führen zu weniger Konsum, einer höheren Sparquote und bei vielen Menschen auch zu einer angespannten psycho-sozialen Gesundheit. Sich selbst ein gutes Glas Wein zu gönnen, gemeinsam mit Freunden und Bekannten anzustoßen und zu feiern, auszugehen und den Kontakt zu anderen Menschen zu suchen – dort müssen wir wieder hinkommen. Wie beurteilen Sie das Potential fränkischer Weine? In den deutschen Supermarktregalen spielt Frankenwein eine exotisch geringe Rolle. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass ein Großteil der Weine von Kellereien kommt. Diese Kellereien sind selbst keine Weinerzeuger, sondern kaufen Fassweine von vielen Betrieben zu und füllen sie als ihr finales Produkt ab. Da es in Franken kaum einen Fassweinmarkt gibt, können diese Kellereien auch keine günstigen Weine aus Franken kaufen und vermarkten. Es hat also nichts mit der Qualität zu tun, sondern vielmehr mit Angebot, Preis und Vertriebsstrukturen. Qualitativ sind unsere Frankenweine im deutschlandweiten Vergleich spitze. Was ist Ihr Wunsch für DIVINO, für den Frankenwein, die gesamte Branche? Wir erzeugen in Deutschland herausragende Weinqualitäten, die den weltweiten Vergleich nicht scheuen müssen. Wir würden uns deshalb sehr freuen, wenn in Deutschland mit mehr Stolz deutscher Wein getrunken würde. Denn mit jeder Flasche deutschem Wein unterstütze ich als Kunde einen Winzer und seine Weinberge, also die Jahrhunderte alten Kulturlandschaften hier in Franken am Main, an der Mosel oder am Rhein. Die Italiener, Spanier oder Franzosen trinken keinen deutschen Wein und auch keine anderen ausländischen Weine – die wird man dort vergeblich im Regal suchen. Auch in Österreich ist die Quote einheimischer Weine bei 80%. Das wünsche ich mir auch für den deutschen Wein! Der Frankenwein und seine Kulturlandschaft spielen für den Tourismus eine wichtige Rolle. Was sind Ihre Empfehlungen für Gäste, die hierherkommen? In Thüngersheim finde ich eine Wanderung auf die beiden terroir f-Punkte mit dem grandiosen Ausblick über die Weinberge sehr empfehlenswert. In Nordheim würde ich auch den terroir f-Punkt mit dem 360° Aussichtspunkt empfehlen oder eine Wanderung durch die Weinberge von der Vogelsburg nach Neuses am Berg. Hier genieße ich den Ausblick auf die Nordheimer Weinberge mit den Lagen Vögelein und Kreuzberg und auf den schönen Alt-Main. Für Familien würde ich im Sommer eine Fahrt mit dem Kanu oder Stand-Up-Paddle auf dem Alt-Main von Volkach/ Astheim bis zur Mündung des schiffbaren Teils bei Gerlachshausen/Schwarzenau empfehlen. Was möchten Sie gerne noch erzählen? Besonders stolz bin ich auf unsere „Fair Choice“ Zertifizierung, die wir Ende letzten Jahres erhalten haben. Das bedeutet, wir als Betrieb und unsere WinzerInnen sind ein ausgewiesen nachhaltig wirtschaftender Betrieb in den geprüften drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und in sozialen Belangen. Oder anders gesagt: Wir verhalten uns gut und fair zur Natur, den Menschen, die bei uns arbeiten und zahlen unsere Steuern. Ich danke unseren KundInnen für die jahrelange Treue und werde mich mit aller Kraft dafür einsetzen, sie nicht zu enttäuschen. Das ist ein wunderschöner letzter Satz. Herzlichen Dank lieber Herr Wüst! 14 Nº 1/2026·DIVINO MAGAZIN TITELSTORY

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