DIVINO - Das Magazin | N° 1/2018 Frühjahr - Sommer

„Ein fränkischer Maler im Banne Tiepolos“. So lautete der Titel einer Sonderausstellung im Mainfränkischen Museum in Würzburg im Jahre 1996. Ob es wirklich ein Bann war, weiß man nicht so genau. Sicher hatte Georg Anton Urlaub die Bilder von Tiepolo schon während sei- nes Italien-Aufenthaltes in den Jahren 1747–1750 in Venedig gesehen. Nach seiner Rückkehr von Italien nach Würzburg hatte Urlaub wahrscheinlich direkten Kontakt zu Tiepolo, als dieser die Deckenfresken in der Würzbur- ger Residenz anfertigte. Er war ein echter Franke Diese und weitere Forschungs- momente um Georg Anton Urlaub und dessen Familie arbeitet Dr. Wolfgang Kümper aus Margets- höchheim auf. Der ehemalige Allgemeinarzt aus Thüngersheim hat sich nicht nur mit großer Sorg- falt und Engagement um seine Thüngersheimer Patienten und deren Familien gekümmert, son- dern eben auch um den berühmtesten Sohn des Ortes und seine Malerfamilie. „Die Kunst- geschichte und insbesondere die Geschichte der Familie Urlaub hat mich neben der Medizin voll in ihren Bann gezogen“, sagt Dr. Kümper. Der Arzt mit dem großen Wissensdurst hat schon als Medi- ziner intensiv wissenschaftlich gearbeitet und in seiner akademischen Lehrpraxis der Universität Würzburg Studenten ausgebildet. Das Faszinie- rende an Georg Anton Urlaub ist für Kümper die eigenwillige Persönlichkeit des Barockmalers. „Er war ein echter Franke und wusste genau, was er will. Mutig und auf eigene Initiative hat er sich am fürstbischöflichen Hof mit einem Selbstportrait von 1735 (Foto oben), „beworben“ und wurde angenommen. Allerdings wollte er dort nicht in untergeordneter Stellung arbeiten, sondern auf der Akademie – ein für die damalige Zeit in Franken sicher eher ungewöhnlicher Schritt“, berichtet Dr. Kümper. Die Initiative wurde von Fürst- bischof Friedrich Carl – einem fortschrittlichen und aufge- schlossenen Regenten – belohnt, und er schickte Urlaub an die Akademie nach Wien. Seine Aufenthalte dort wollte Urlaub immer wieder verlängern, um sich zu „perfectionieren“ , wie er an seinen Fürstbischof und Gönner schreibt. Die Lebensgeschichte von Georg Anton Urlaub ist eine beson- dere, und es lohnt sich, die Werke des fränkischen Malers anzuschauen und mehr über ihn zu erfahren. Die Gemeinde Thüngersheim hat ihrem Maler und seiner Familie in den Wein- KulturGaden (wir berichteten) einen eigenen Raum gewidmet. Originalwerke von ihm finden sich im Museum für Franken auf der Festung Marienberg in Würzburg und natürlich in der Würzburger Residenz. Auch die Deutschhaus- kirche in Würzburg oder die Stadtpfarrkirche in Volkach sind mit Werken von Georg Anton Urlaub ausgestattet. „Ganz besonders zu empfehlen ist das Deckenfresko in der katholischen Pfarrkirche Ipthausen (Stadtteil von Bad Königshofen i.G.), für das Urlaub bestimmt durch das Deckenfresko Tiepolos im Treppenhaus der Würzburger Resi- denz inspiriert wurde“, sagt Dr. Kümper. Und da wären wir wieder bei Tiepolo – die For- schung geht weiter... Und wenn Sie, liebe Leser und Kunstinteressierte in Thüngersheim auf den Spuren der Malerfamilie Urlaub wandeln, sollten Sie die Gelegenheit nutzen, sich in unserer Vino- thek am Ort mit feinen Weinen von DIVINO aus- zustatten – oder einfach eine genussvolle Pause auf unserer Sonnenterrasse bei einem Glas Wein oder einer Tasse Kaffee zu genießen. Sie sind uns sehr herzlich willkommen! Georg Anton Urlaub: Barockmaler aus Thüngersheim Seine Werke schmücken diverse Kirchen in Franken. Seine Gemälde bewahren Museen in Augsburg, Frankfurt, Hamburg, München und natürlich Würzburg auf: Georg Anton Urlaub war ein anerkannter Barockmaler im 18. Jahrhundert. Georg Anton Urlaub (1713-1759): Selbst- bildnis von 1735. Alle drei hier gezeigten Bilder befinden sich im Museum für Franken – Staatliches Museum für Kunst- und Kulturgeschichte, Würzburg. Glorie des Heiligen Bruno, um 1753 Allegorie auf das Leben des Fürstbischofs Friedrich Karl von Schönborn, um 1737 24 25 Nº 1 / 2018 FRANKEN ENTDECKEN

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